Embodied Cognition – die Verbindung von Gehirn & Bauch

Bisher haben wir unserem Gehirn viel Raum eingeräumt, wenn es um die Rolle der „Kontrollstation“ ging. Wenn wir einen klaren Geist durch Meditation, Achtsamkeitspraxis o.ä. schaffen, dann werden wir klare Entscheidungen treffen und mehr inneren Frieden haben. Soweit ist daran nichts falsch. Allerdings kommen Wissenschaftler dem Einfluss unseres  Bauchgehirns immer mehr auf die Spur, das auch das enterische Nervensystem genannt wird. Unser Gehirn steuert den Sympathikus und Parasympatikus, es hat aber nur wenig Einfluss auf das enterische Nervensystem, auch wenn es über den Vagusnerv direkt mit dem Darm verbunden ist.

Der Sympathikus und Parasympatkus arbeiten, vereinfacht gesagt, wie das Gaspedal und die Bremse. Über Nervenbahnen ist das Gehirn mit unserem Rückenmark und allen Organen verbunden. Unser Gehirn sendet Informationen von oben nach unten. Wenn wir z.B. sehr wütend sind, dann können wir das nur über die Signale unseres Körpers wahrnehmen wie z.B. Spannung, Hitze, erhöhter Herzschlag. Wir sind uns der Signale zum Körper nicht direkt bewusst, sondern nur indirekt durch die Rückmeldung des Körpers. Es überrascht also nicht, dass alte Kulturen das Herz und den Bauch als Sitz der Emotionen und sogar Gedanken gesehen haben. Dieses verkörperte Denken von oben nach unten ist uns mittlerweile bekannt.

Was aber eine völlig neue Perspektive eröffnet, ist, dass auch von unten Impulse nach oben an das Gehirn gesendet werden und unsere Gedanken und Stimmung maßgeblich beeinflussen können.

Unser Bauchgehirn ist weniger vom Gehirn beeinflusst und hat ganz eigene Reflexe und Sinne und sendet wiederum Informationen von unten nach oben wie z.B. wenn wir Schmetterlinge im Bauch fühlen oder Angst. Diese Emotionen senden wiederum ein Signal zurück zum Gehirn, was Einfluss auf unser Denken haben kann und auf die daraus resultierenden Entscheidungen, die wir treffen. Auch das, was wir essen kann erheblichen Einfluss auf unsere Stimmung haben. Leiden wir an einer Lebensmittelunnverträglichkeit und essen es trotzdem, reagiert unser Körper mit einem unruhigen Darm, Spannung ect. Ich habe lange gebraucht zu erkennen, dass wenn ich zu viel Gluten esse, zu Melancholie und innerer Schwere neige, obwohl bei mir laut Tests keine klare Glutenunverträglichkeit nachgewiesen wurde.

Was bedeutet das nun für unsere Yogapraxis?

Diese Erkenntnis zeigt, was für eine Kraft unsere Intention hat, aber v.a. wie wichtig eine körperlich gemachte Erfahrung ist.

Im Yoga sprechen wir von sog.Samskaras, Eindrücke die erlebte Erfahrungen in uns hinterlassen. Wir wollen im Yoga möglichst viele positive Eindrücke schaffen wie ein Gefühl der Stärke, Entsapnnung, Zuversicht, Vertrauen, Glück ect. Je mehr positive Eindrücke wir erfahren, desto weniger Kraft und Einfluss haben unsere negativen Eindrücke, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren und abgespeichert haben.

Folgende Dinge in der Yogapraxis können das unterstützen: langsame, achtsame Bewegungen, aktives Dehnen, Zeit zum Nachspüren, lauschen, Impulse des Körpers spüren und auch mal nachgeben anstatt gegenzuhalten, über den Atem in eine Form von Innen heraus wachsen, anstatt uns in eine äußere Form zu pressen usw. All das erlaubt Bewusstsein in jeden Bereich, jede Zelle unseres Körpers zu bringen, was letztlich Verkörperung ist.

Wir können dieses Wissen auch wie folgt umsetzen: in einer Kriegerhaltung von der rein physischen Ausrichtung mehr in eine echte Erfahrung der Stärke, Standhaftigkeit und Mut eintauchen und aus dem Körperempfinden diese Informationen nach oben an das Gehirn senden. Gleichzeitig können wir durch Affirmationen wie „ich bin standhaft, mutig“ von oben nach unten Informationen geben, um den Vorgang zu beschleunigen.

Viel Spass beim Forschen!